Seite drucken
Eingangsportal zum ehemaligen Georgenberg-Friedhof

1. Historie

Mit wachsender Einwohnerzahl am Anfang des 19. Jahrhunderts machte es sich erforderlich, zusätzliche Begräbnisflächen für die Stadt Spremberg zu erschließen. So wurde im Jahr 1828 auf dem heutigen Gelände des Stadtparkes, der Georgenberg-Friedhof angelegt.
Die Zufahrt zum Friedhof erfolgte damals noch ausschließlich über den Alten Georgenberg (Georgenstraße). Von hier aus zweigte ein schmaler gepflasterter Weg zum Friedhofsgelände ab.
Vermutlich (genaue Angaben darüber sind leider nicht bekannt) mit dem Anlegen des Friedhofsgeländes entstand auch das Eingangsportal zum Georgenbergfriedhof. Aber leider ist auch hier weder das genaue Datum der Errichtung als auch der ursprüngliche Schöpfer des Portals unbekannt.

Das Eingangsportal bestand aus zwei schlichten rauh verputzen ca. 3,50 m hohen Säulen, die je von einem ca. 0,70 m hohem Metall Kreuz gekrönt waren. Oberhalb zwischen den Säulen befand sich ein Metallband mit den Schriftzug "Ruhestaette". Das Eingangsportal konnte durch ein einfaches Doppelflügliges weißes Holztor verschlossen werden.
1865 wurden nachträglich an beiden Säulen Tafeln angebracht, die auf der linken Säule den Spruch "Was Ihr jeßt seid, das waren wir" und auf der rechten Säule den Spruch "Was wir jeßt sind, das werdet Ihr" zeigten. (Die Schreibweise mit ß anstatt tz ist dabei historisch verbürgt.)

Ab dem Jahr 1925 wurden in der nur wenige Meter oberhalb des Eingangsportals gelegene St.Georgs-Kapelle offiziell Totenfeiern abgehalten. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der angelegte Treppenaufgang unmittelbar rechts hinter dem Eingangsportal, der direkt hinauf zur Kapelle führte.


2. Verfall und Abriss

Mit der Schließung des (alten) Georgenberg Friedhofes und der beginnenden Umgestaltung zum jetzigen Stadtpark in den 1960-iger Jahren verlor das Portal an Bedeutung und ursprünglicher Sinnhaftigkeit. Überlegungen des Erhaltes oder auch nur des Bewahrens für die Nachwelt gab es nicht. Verfall durch Witterungseinflüssen und Vandalismus setzen dem Eingangsportal weiter zu. Auf überlieferten alten Fotos ist zu sehen, das dass ursprünglich vorhanden Eingangstor fehlt und auch die Spruchtafeln teilweise schon neben den Säulen stehen. Eine letztendliche Beseitigung schien also nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
Dieser Zeitpunkt schien dann mit dem Abriss der St.Georg-Kapelle im Jahr 1970 gekommen zu sein. Leider gibt es auch hierfür keine verlässliche Quelle, so das nur angenommen werden kann, das der Abriss zu diesem Zeitpunkt erfolgte. Zuschriften in Regionalen Zeitungen, zu alten Fotos des Eingangsportales stützen diese Annahme.


3. Planungen

Mit dem Abriss des Eingangsportal war dies zwar auf dem Georgenberg "verschwunden" aber damit längst nicht aus den Köpfen der Spremberger. Jeder "alte" Spremberger kannte die Sprüche die die Säulen einst zierten und der Wunsch nach einem Wiederaufbau setze sich mehr und mehr in den Köpfen fest. Zu Zeiten der DDR und Mangelwirtschaft war dies natürlich undenkbar, erst mit der politischen Wende im Jahr 1989 ergaben sich entsprechende Möglichkeiten.

Erste Überlegungen für einen Wiederaufbau gab es in den 1990-iger Jahren durch den "Verein zur Neugestaltung des Georgenberg Friedhofes in Spremberg NL e.V. (Georgenbergverein). Der dies aber dann aus finanziellen Gründen und anderen zu realisierenden Schwerpunktaufgaben nicht weiter verfolgte.
Mit den Planungen zum Errichten einer Imagination der St.Georgs-Kapelle im Jahr 2016 entschied sich dann der Laga Verein e.V. dieses Eingangsportal im Zuge einer Gesamtlösung des Kapellenprojektes (Kapelle und ehemalige Zuwegungen) wiederzuerrichten.


4.Wiederaufbau

Sämtliche Bauplanungen für den Wiederaufbau des Eingangsportals wurden durch das Architektur Büro Pietsch aus Spremberg und Herrn Drews vom LAGA Verein ausgeführt. Da es weder alte Planungsunterlagen noch überlieferte Bemaßungen gab, konnte alle Maße nur durch Aufmaß auf alten Postkarten oder Fotos ermittelt werden. Einziger Anhaltspunkt für den Wiederaufbau waren die im September 2016, bei einer Suchgrabung von Herrn Drews gemeinsam mit Herrn  Bayer vom Georgenbergverein wiederentdeckten Fundamentreste. Damit konnte zumindest die exakte Standort der Toranlage und die Dimensionen der Pfeiler bestimmt werden.

Am 17.10.2016 stimmte der Bauausschuss der Stadt Spremberg mit der Nummer G/IV/16/0319 dem Wiederaufbau des Eingangsportals zu. Eine der Bedingungen war hierbei, das sämtliche Kosten durch den LAGA Verein e.V. selbst getragen oder entsprechend eingeworben werden.  Am 17.11.2016 folgte die Genehmigung der Unteren Denkmalbehörde mit entsprechenden Auflagen. Das Eingangsportal ist und war dabei aber niemals selbst Denkmal oder in entsprechenden Denkmallisten eingetragen, es befindet sich aber im Geltungsbereich des Flächendenkmal "Ensemble Stadtpark, Festwiese, Freilichtbühne, Schwanenteich, Schweizergarten, Pilz und Slamener Friedhof".

Die Wiederrichtung des Eingangsportals wurde in drei Punkte unterteilt:

1. Wiederaufbau der Säulen des Eingangsportals
2. Herstellen/ Aufstellen der Kreuze auf den Säulen
3. Herstellen/ Anbringen der Spruchtafel und es Querbandes


Für den Wiederaufbau der Säulen konnte der LAGA Verein e.V. mit der Firma „EGGERT Bau“ aus  Spremberg einen passenden und kompetenten Partner finden. Am 11. September 2017 wurde im übertragenden Sinne der zweite Grundstein gelegt und der Wiederaufbau begann. Das Team mit dem Vorarbeiter Herrn Bressel und Herrn Manig leistete hier ganze Arbeit, quasi setze sich jeder mit dem mauern „seiner“ Eingangssäule ein eigenes Denkmal. Am 21. September 2017 konnten schon die geschmiedeten Kreuze auf den Säulen angebracht werden.

Für die beiden Kreuze welche nun wieder das Eingangsportal krönen, hatten wir einen wahren (Alt-) Meister zur Hand, Herrn Merkel von der gleichnamigen „Schmiede Merkel“ aus Friedrichshain. Mit viel Geschick und Phantasie schmiedete er, nur nach den mehr als vagen alten Ansichtskarten, diese beiden Kreuze.

Wesentlich schwieriger sollte es werden, einen Steinmetz zu finden, der die geforderten Steinplatten und auch die Originale Fraktur Schrift (Forderung Denkmalschutz) der Spruchtafel herstellen konnte. Aber auch gerade bei diesem sehr schwierigen Problem kam uns unsere eigene Öffentlichkeitsarbeit zu Hilfe.

Kurz nach der Veröffentlichung der ersten Berichte über den Aufbau des Eingangsportals meldeten sich Zeitzeugen beim LAGA Verein, die mit Sicherheit bestätigten, das die an den Säulen angebrachten Tafeln nicht aus Stein sondern aus Metall waren! Damit löste sich unser Hauptproblem quasi von selbst, denn eine Frakturschrift zu malen ist natürlich wesentlich einfacher, als diese in Stein zu gravieren.

Wieder konnten wir auch hier von der guten Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde in Forst profitieren, der auch an dieser Stelle ausdrücklich gedankt sein soll. Diese änderte im Oktober 2017 nach Abwägung der gemachten Zeitzeugen Aussagen und dem nochmaligen Auswerten historischer Fotos die vorliegende Denkmalrechtliche Erlaubnis. So konnten nun Metallplatten anstatt Marmorplatten in Auftrag gegeben werden. Auch hier wollten wir keine Kompromisse eingehen und entschieden uns letztendlich dafür, nach einem dankbaren Tipp von Herrn Merkel aus Friedrichshain, die Tafeln aus Edelstahl mit matt schwarzer Pulverbeschichtung fertigen zu lassen. Gleichzeitig wurde auch das Querbandband aus dem selben Material beauftragt, welches die beiden Torsäulen miteinander verbindet.
Als kompetenten Partner konnten wir dafür die Firma „Metall-Form-Technik GmbH“ aus Kolkwitz gewinnen.

Nun hatten wir die Grundlagen für die Tafeln an den Säulen als auch die Grundplatte für das Querband, etwas ganz entscheidendes fehlte aber noch, das Aufbringen der Frakturschrift.

Da es heute ja kaum noch jemanden gibt, der schöne alte Frakturschrift wirklich schreiben bzw. malen kann, noch dazu in einer festgelegten Größe und den geforderten Abständen, mussten wir eine andere Lösung finden. Diesmal lag das Gute so nah - in Person der Geschäftsführerin der Firma "Mädler Werbeagentur GmbH" Frau Kießlich, die praktischer Weise auch Vorstandsmitglied des LAGA Verein ist. Hier wurden Folien anfertigt, die dann auf die Tafeln und das Querband geklebt wurden. Aus diesen Folien wurden dann die eingedruckten Buchstaben entfernt und die entstandenen Lücken mit der vom Denkmalschutz beauflagten goldenen Schriftfarbe „ausgefüllt“ - Fertig war das perfekte und gleichmäßige Schriftbild.

Am 21.12.2017 war es dann endlich so weit, Monteure der Firma MFT aus Kolkwitz brachten die Spruchtafeln als auch das Querband an den Säulen an. Wir waren froh und stolz das wir dieses Projekt damit noch im Jahr 2017 abschließen konnten.

Nun steht es wieder da, das gute „alte“ Eingangsportal des Georgenberg
Friedhofes. Auch wenn das historische Spruchband "RUHESTAETTE" nicht
mehr ganz zutrifft, so soll der Stadtpark doch für Generationen zumindest ein
Platz der Ruhe und Erholung sein. Ein Wunsch Vieler, vor allem älterer
Spremberger, ist damit in Erfüllung gegangen. Zumindest die Sprüche auf den
beiden Tafeln werden an Aktualität nie einbüßen, sagen sie doch den Lauf des
Lebens aus. „Was Ihr jetzt seid, das waren wir.“ - „Was wir jetzt sind, das
werdet Ihr.“ Zu wünschen wäre, das dieses alte, neue Eingangsportal
nicht nur lange Zeit(en) überdauert, sondern auch das es weder durch Vandalismus
beschädigt noch durch Graffiti verunstaltet wird.

Eine Bitte ganz zum Schluss: sollte es alte vor allem private Fotos des alten Eingangsportals geben oder sollten Erinnerungen vorhanden sein, die uns bei den bisher unbekannten Daten oder Jahreszahlen helfen können, zögern Sie bitte nicht und wenden sich per Mail an Frank Meisel oder aber auch Ralf-Dieter Drews. Die benötigten Email Adressen finden Sie unter dem Punkt - Vorstand - hier auf dieser Seite. Vielen Dank dafür!

Ralf-Dieter Drews,
Vorstandsmitglied Laga Spremberg e.V.



Eingangsportal alter Friedhof

Fenster schließen
Seite drucken